Wenn
man von Weilmünster in
Richtung Laubuseschbach dem
Bleidenbachtal folgt, so zweigen linker Hand zwei Seitentäler
ab, das
Burbachtal und die Streuch.
Beide laufen halbkreisförmig aufeinander zu und enden in
einem Sattel.
Auf diesem findet man in ca. 320 m Höhe die Gemeinde Rohnstadt.
Im
Osten wird Rohnstadt von dem
„Burgwald“ (345 m), im
Norden durch den Staatsforst „Hofwald“ (364 m) und
im Süden durch den
„Hühnerküppel“ (369,5 m),
höchste Erhebung der Rohnstädter Gemarkung, begrenzt.
Vom Hühnerküppel hat man einen herrlichen Ausblick in
den Hintertaunus bis zum Feldberg
und auch auf den
Westerwald.
Die Gemarkung Rohnstadt umfasst 456 ha, davon sind 143 ha Gemeindewald und 99 ha Staatswald. In früheren Zeiten war Rohnstadt einmal ein „Bergbauerndorf“, doch heute gibt es nur noch einen Vollerwerbslandwirt. Auch die so genannten „Feierabendbauern“ haben inzwischen ihre Landwirtschaft aufgeben müssen.
Die
berufstätigen
Rohnstädter sind praktisch alle außerhalb
tätig (Pendler), denn im Ort selbst gibt es keine
Arbeitsplätze
Einen wichtigen Platz im kulturellen Dorf leben der ca. 300 Rohnstädter nehmen die Vereine ein.
1) Gemischter Chor „Liederkranz“
2) Freiwilligen Feuerwehr
3) ev. Frauenkreis
4) CDU Ortsverband
5) Geschichts- und Heimatverein
6) Sportelf Rohnstadt
Nach dieser kurzen Vorstellung unseres Ortes folgen Sie uns auf einen kleinen Streifzug durch die Geschichte!
Das älteste bisher bekannte Zeugnis menschlicher Besiedelung der Rohnstädter Gemarkung ist der Ringwall im Burgwald, die „Riesenburg“.
Ein Ringwall mit Annexwall (Durchmesser ca. 165 x 110 m); die Länge des ehemaligen Walles beträgt rund 992 m. In der Nähe des Riesenkopfes wurde im vorigen Jahrhundert beim Erzabbau eine Eisenpfeilspitze mit sehr langen Widerhaken gefunden, die jedoch im Museum in Wiesbaden verschollen ist.
In der Rohnstädter Heimatstube zu besichtigen sind dagegen die 1986 im Inneren des Ringwalls gefundenen Tonscherben. Sie wurden von der Universität Gießen untersucht und auf die späte Hallstattzeit (Hallstadt D / ca. 600 – 450 v.Chr.) datiert.
1997/98
wurde der Ringwall vom Hess.
Landesamt für
Denkmalpflege, Wiesbaden vermessen. Dabei wurde festgestellt, dass es
sich
wahrscheinlich um 3 verschiedene, aufeinander folgende Wallsystheme
handelt,
deren Zeitstellung von der keltischen
(ca. 400 v. Chr.) bis in die
fränkische Zeit (ca.
800 n. Chr.) reicht. Auch Funde aus dem
Innenbereich des Walls, wie die schon erwähnte Tonscherbe,
eine keltische
Münze, sowie ein karolingischer Sporn deuten darauf hin.
Weitere Angaben über den Ringwall (Erhebung, Nutzungsdauer, Aufgabe etc.) können aufgrund fehlender Grabungen bis jetzt nicht gemacht werden, auch steht eine Auswertung und Veröffentlichung der Vermessen leider noch aus.

Die
urkundlich genau nachweisbare
Geschichte Rohnstadt
beginnt mit dem 4. November 1335, als Richwin von Elkerhausen seinem
Neffen
Hiltwin von Elkerhausen und Frau Christine seinen Hof zu Ramshart
verkaufte.
Ramshart – das ist der ehemalige Name von Rohnstadt. F.A.
Schmidt weist dies in
seinem Aufsatz „Rohnstadt – Ramshart“
(Nassauische Annalen, Band 57, Wiesbaden
1937) nach.
Die
nächste
Erwähnung vom 24.August 1342. Die Brüder
Heinrich und Konrad von Elkerhausen teilen mit ihrem Neffen Hiltwin von
Elkerhausen alle Leute, die sie zusammen von ihrem Neffen Richwin von
Elkerhausen gekauft haben. In der Aufzeichnung der Leute kommen u.a.
vor: Ludwig von
Ramshart, sein Weib und Kind sowie
Hiltwin von Ramshart.
Am
4. Oktober 1408 belehnt Bischoff
Matthäus von Worms den Kraft
Krug von Cleen
mit dem von den Brüdern
Hundt, Dyde und Suwer von Weilburg
zurückgefallenen Zehnten, u.a. auch mit dem von Ramshart.
Die
Grenzen der Aumenauer Cent zu
Niclas – Dernbach werden
in einer notariellen Urkunde vom 4. September 1503 beschrieben. Es
heißt dort, so sagen
die Leute von Laubuseschbach:
„Vorter an der
hochstraiß ane die Heides Melspach innen
biess uff den Hillenplatz und die bach ußem biess vor die
Ranschartar wingarten
und an vorter von dem hohen reyn zcu, von dem hohen reyn mitten durch
den
Ranscharter born hin, uss dem born zu der Rainschartar steynecken
zcu.....“
Aus
dem Jahre 1518 gibt es noch ein
Dokument vom 6. August,
in dem Hans von Hohenweisel, mit Einwilligung seinen Vaters Arnold,
seinen Hof
zu „Ranschet“ bei
Weilmünster, seiner Frau
Anna von Reifenberg zur Morgengabe
gibt, welcher jährlich 7 Malter Frucht, 2 Frohndienste,
½ fl. Bede (etwa seit
dem 12. Jh. in allen deutschen Territorien eingeführte, auf
Grund und Boden
lastende, steuerartige Abgabe zugunsten des Landesherren), 3
½ fl.
Ablösungsrente und etliche Hühner ertragen
Eine Urkunde vom 29. August 1530
berichtet von einem
Grenzbegang zwischen den Höfen des Friedrich Brendel vom
Homburg und des Arnold
von Hohenweisel zu Ranstatt bei Weilmünster, bei dem Adam und
Henß Erbe von
Ranstatt beteiligt waren.
Der
30jährige Krieg brachte
auch in unserer Gegend große Not
mit sich.
So hatte Ranschard (Rohnstadt) 1630
infolge des Krieges nur folgende
Einwohner zu verzeichnen. 11 Familien (einen Schultheißen, 8
Untertanen, 2
Witwen und einen Schäfer). Nach seiner Beendigung hatte dieser
Krieg das Land in großer
Verwüstung und Verwilderung zurückgelassen. Es
sollten
noch viele Jahrzehnte vergehen,
bis die Folgen dieses Krieges überwunden waren. So wurde noch
im Juli 1661 in Rohnstadt
die 7jährige Anna Christina Erbe im Hof ihres Elternhauses von
einem Wolf
getötet.
Die
zu Rohnstadt gehörende
Mühle, die „Spitzenmühle“, wird
1681 erstmals erwähnt (im Taufbuch der Kirchengemeinde
Weilmünster).
1745
belässt Graf Karl zu
Wied-Runkel die Gemeinde Rohnstadt
bei dem bisherigen Erbbestand seines Hofes, dessen zugehörige
Waldungen ihm zu
2/3 und dem Fürsten
von Nassau-Weilburg zu 1/3 zustehen.
1747 verkauft er seinen
Wald an Fürst Karl-August von Nassau-Weilburg für
4.000 fl.

Einen
interessanten Einblick in die
Wirren der so genannten
„Befreiungskriege“ (1813 – 1815) erlaubt
uns das Rohnstädter
Gemeindeeinnahmen- und
Ausgabenbuch für die Jahre 1810 – 1816.
Darin lesen wir u.a., dass 1814
durchziehende Kosaken dem
Johann Christian Lommel einen Ochsen aus dem Stall stahlen. Die
Gemeinde musste
sich bei Privatleuten Geld leihen, um diese Schaden und andere Kosten
der
durchziehenden
„Verbündeten“ zu bezahlen.
Erst 1817 konnte sie diese Schulden
tilgen.
1821
wurde eine Kapelle auf dem
Rohnstädter Friedhof
errichtet. Sie kostet 158 fl. und 20 Kr. das Geld kam (bis auf einen
geringen Rest) vom
Walpurgisstift in Weilburg
1841 wurde von der Firma Heller in
Weilburg eine
Feuerspritze für 833 fl. gekauft
und
1842 für 284 fl. und 56Kr.
ein Spritzenhaus gebaut
1878 wurde der damalige
Männer-Gesangverein „Liederkranz“
gegründet.
Am 15. Mai 1892 wurde die
Eisenbahnstrecke Weilmünster –
Laubuseschbach eröffnet.
Diese Strecke war damals für
die Güterbeförderung,
insbesondere des abgebauten
Eisenerzes (dazu später
mehr), von großer Bedeutung.
Doch
schon bald ging das
Transportaufkommen zurück und 1968
wurde die Strecke stillgelegt und abgebaut.
1921 wurde in Rohnstadt das
elektrische Lichtnetz fertig gestellt,
für das die Gemeinde einen Betrag von 109.083.-- Reichsmark
aufbringen musste.
Ebenfalls um diese Zeit (1921/22)
wurde die zentrale
Wasserversorgung, durch den Bau von Sammelschacht, Pumpstation,
Hochbehälter und den
dazugehörigen Leitungen, sichergestellt. Die 1914 begonnen
Arbeiten hatten sich
durch den Krieg solange hinausgezögert
1927 wurde ein neues Rat- und
Backhaus, das „Backes“ gebaut.
Es diente bis zur Eingemeindung 1970 als Rathaus, Wahllokal,
Versammlungsort
und Backhaus.
Das Wahrzeichen von
Rohnstadt - Rat- und Backhaus.
Feuerwehrgerätehaus
Seit 1986
beherbergt es die Rohnstädter
„Heimatstube“.
Am
15.03.1934 wurde die Freiwillige
Feuerwehr Rohnstadt
gegründet. Sie zählte damals 33 Mitglieder.
1952 wurde der alte Brandweiher zu
einer modernen Zisterne
umgebaut, darüber ein Spritzenhaus errichtet und eine neue
Motorspritze
angeschafft.
Am 25. und 26. Oktober 1953 konnten
die Rohnstädter die
Einweihung, seiner in größtmöglicher
Eigenleistung, erbauten „Lutherkirche“
feiern. Von jetzt an brauchten
die ev. Rohnstädter nicht mehr nach Weilmünster in
die Kirche zu gehen.

1964
wurde die Wasserversorgung durch
den Bau eines neuen
Sammelschachtes
und Hochbehälters
für die Zukunft gesichert.
1970 war die
Selbstständigkeit von Rohnstadt dann zu Ende.
Mit der Gebietsreform 1970/71 wurde
Rohnstadt ein Ortsteil
von Weilmünster.
Am 08.12.1972 wurde das
Dorfgemeinschaftshaus Rohnstadt offiziell
seiner Bestimmung übergeben. Noch
in der Zeit der Selbständigkeit geplant, vorbereitet, begonnen
und mit viel
Eigenleistung der Rohnstädter Bürger fertig gestellt
wurde es schnell zum
kulturellen Mittelpunkt des Ortes.

Im
Jahre 1978 konnte der Gemischte
Chor „Liederkranz“
Rohnstadt sein 100jähriges Bestehen feiern. Zu diesem Anlass
wurde auch die hohe
Auszeichnung für den Chorgesang, die
„Zelterplakette“ dem Verein verliehen.
Ihren 50. Geburtstag feierte die
Freiwillige Feuerwehr
Rohnstadt vom 01.-03. Juni 1984 mir einem großen Fest auf dem
Sportplatz.
Mehr oder weniger nur als
„internes Ortsfest“ geplant, wurde
die 650-Jahr-Feier am 13. und 14. Juli 1985, durch den regen Zuspruch
auswärtiger Besucher, ein sehr großer Erfolg.
Um den finanziellen Erfolg der
650-Jahr-Feier sinnvoll für
die Bevölkerung Rohnstadts einzusetzen, wurde am 04.10.1985
der Geschichts- und
Heimatverein Rohnstadt gegründet.
Dieser neueste Rohnstädter
Verein konnte am 29.11.1986 die
Heimatstube im ehemaligen Rathaus eröffnen, in der u.a. Bilder
und Dokumente
speziell zur Rohnstädter Geschichte und Gegenstände
des täglichen Gebrauchs,
wie sie für unsere Gegend typisch waren, ausgestellt werden.
Im Oktober 1988 bekam die ev.
Lutherkirche ein Geläute. Auf
Initiative des ev. Frauenkreises Rohnstadt hin, konnte nach einer
Spendenaktion, zwei Glocken angeschafft werden.
Sprachliche
Entwicklung des
Ortsnamens.
Rohnstadt entwickelte sich folgendermaßen:
Ramshart (1335); Ramshart (1408); Ransert (1495);Ranstadt (1539)
Ronstatt
(1662); Rohnstatt
(1740); Rohnstadt
(1824)
Bergbau
um Rohnstadt
Ein weiteres wichtiges
Kapitel der
Rohnstädter Geschichte
stellt der Bergbau dar.
Die Einwohner
Rohnstadts waren
seit jeher kleine Bauern, die für jedes
„Zubrot“
dankbar waren. So
suchten viele
noch auf „der Grube“ Arbeit.
Der urkundlich
festgehaltene
Beginn der Bergbautätigkeit in Rohnstadt ist der 30. April
1495.
Damals verlieh
Graf
Ludwig I. von
Nassau-Weilburg, etlichen Leuten als Finder and Anfänger, das
im Amt
Weilmünster, auf dem „Neuen Berg bei
Ransert“ gelegene Bergwerk! „Das Smytgin“
Am 25.11.1534 wird
das
Dachschieferbergwerk auf der großen Mehlbach erstmalig
erwähnt.
Graf Philipp III. von
Nassau-Weilburg verlieh dem Caspar Spitzfaden und drei benannten
Mitgewerken
die Dachschiefergrube „zu der großen
Milupach“, gegen die Bedingung, dass alle
Erze, die in der Schiefergrube gefunden würden, dem Grafen
vorbehalten seien.
Graf Albrecht von
Nassau-Weilburg
verleiht am 22. März 1563 dem Schieferdeckermeister Gebhard
von Oberursel den,
zwischen Ramshart und Weilmünster, in der Nähe des
Waldes Burg, gelegenen
Dachschieferbruch.

Der
Name der Erzgrube
Mehlbach erscheint
zuerst am 10.01.1625, als der Bergmann
Christian Lemp aus Weilmünster an
der Spitze einer Gewerkschaft steht, die das
„neuwe Nergwerck uf der Milbach“
wieder aufnehmen will und um ein diesbezügliches
Freischürfen bittet. Aus dem
Antrag ist zu entnehmen, dass das Bergwerk vor „Ettlichen
Jahren erbaut gewesen“,
aber durch ungetreue Bergherren und Arbeiter
wegen des (Dreißigjährigen)
Krieges aufgegeben worden sei.
Mit großer Wahrscheinlichkeit hat
die Grube „Smytgin“ von 1495 auf demselben Gang
gebaut wie die nun „Mehlbach“
genannte Grube. Doch durch den weiter andauernden 30jährigen
Krieg kam der Bergbau
bald wieder zum Stillstand.
Erst um 1740 wurden
neue Versuche
unternommen, ihn wieder in Gang zu bringen. Doch
größere Erfolge stellten sich
erst ein, als der Obersalzgraf und Kammerrat zu Hessen-Kassel, Freiherr
Siegfried Waitz von Eschen aus Kassel, die Grube übernahm.
Denn kaum hatte
dieser die Erlaubnis erhalten „und das Werk mit Ernst
begonnen, so fand sich
die schönsten Silbererze, deren Wert auf über
150.000 Reichtaler geschätzt wurde“. Der Erfolg war
so
groß, dass man
ihn durch das Prägen von drei so genannten
Ausbeutemünzen bekundete, 1750 einen
Gulden sowie 1752 einen halben und einen ganzen Taler.
(Außerdem wollte der
regierende Weilburger Fürst Karl-August mit diesen
hochwertigen Münzen seinen
bzw. den schlechten Ruf seines Geldes aufbessern.)
Bei der Münze von 1750 handelt es sich um einen Feinsilbergulden im Wert von 2/3 Talern. Sie trägt auf der einen Seite das Wappen der Prägherren mit der Inschrift
CAROLUS
AUGUSTUS D(ei) G(ratia) R (omani) I(mperi) P(rinceps)
Nass(au)
Weilb(urg)
Auf der anderen Seite
sieht man
auf einem Berg
einen Haspel, darunter
ein Stollenmundloch, aus welchem ein Bergmann
mit einem
Laufkarren ausfährt, und rechts davon (Zeche-?)
Häuser.
Über dieser Landschaft ist das
wachende Gottesauge dargestellt, über dem die Inschrift.
ASPERA OBLECTANT
(das
Schwierige erheitert
bzw. das Harte
ergötzt) zu lesen ist.
Die Münzen von 1752 zeigen auf der Vorderseite das nach rechtsblickende Brustbild des Fürsten Karl-August in Harnisch und Hermelinmantel mit der Umschrift:
CAR
(olus) Aug (ustus) D (ei) G
(ratia) PR (inceps) Nass (au) Weilb
(urg)
und auf der Rückseite ist wieder
das Nassauer Wappen mit der Umschrift:
EX VISCERIBUS FODINAE
MEHLBACH (aus
dem Inneren der Grube Mehlbach)
eingeprägt. Alle drei Münzen sind
heute von größter Seltenheit.

1761
verfügte die Erzgrube
Mehlbach über zehn Schächte sowie zahlreiche Gesenke
und Stollen. Doch in den
folgenden Jahren gingen die Erfolge immer mehr zurück. Bis zum
Jahre 1880 wurde die Grube an
viele neue Gewerke verliehen.
1885 wurde sie dann
vom
Nassauischen Schieferaktienverein in Frankfurt/Main erworben, der sie
1899 an
die Gewerkschaft „Wolfgang“ in Berlin verkaufte.
Doch diese ging 1901 in
Konkurs, und die Grube in den Besitz eines Generalleutnants a.D. von
Petersdorf
in Schwerin über. Im November 1902 wurden jedoch
sämtliche Arbeiten auf der
Erzgrube Mehlbach eingestellt.
1908 verkaufte von
Petersdorf u.a.
die Mehlbach an den Rittergutsbesitzer Willy von Dulong, doch auch
dessen
Bemühungen, den Betrieb wieder zu eröffnen, schlug
fehl.
Mit der Mitteilung
des
Obersteigers Müller, dass der Schacht im Grubenfeld Mehlbach
zugeworfen sei,
schließen am 11.02.1921 endgültig die Akten der
Erzgrube Mehlbach.
Auch im Burgwald bei
Rohnstadt gab
es im Grubenfeld Riesenburg früher Bergwerke.
Es waren z.T. schon
sehr alte
Roteisensteingruben (ob auch schon die Erbauer des bereits
erwähnten Ringwalles
hier abbauten, ist bisher nicht nachweisbar).
Um 1880
gehörte die Grube
Riesenburg der Firma Buderus AG in Wetzlar. Damals wurde das gewonnene
Erz noch
auf die Audenschiede zur Verhüttung gebracht.
Von 1882 bis 1892
wurde das Erz
durch eine, eigens dafür gebaute Drahtselbahn, zu Guntersau
transportiert.
(Streckenlänge 11.949 m).
Doch wurde diese,
zugunsten der
Eisenbahnstrecke Weilmünster – Rohnstadt –
Laubuseschbach, stillgelegt und
abgebaut.
Die
Eisenerzförderung auf der
Riesenburg betrug 1914 13.186 to; 1924 1.671 to und 1925 7.085 to. Doch der Abbau lohnte
sich, wegen der
aufkommenden Konkurrenz in und ausländischer Erze, nicht mehr
und so wurde die
Grube geschlossen und geriet in Verfall.
Die
Rohnstädter Schule
Bevor
es in Rohnstadt
eine eigene
Schule gab, gingen die Kinder in die Kirchspielmittelpunktschule nach
Weilmünster. Doch schon relativ früh machte Rohnstadt
sich diesbezüglich
unabhängig (ca. um 1720).
Der erste namentlich
bekannte
Rohnstädter Lehrer ist Friedrich Christoph Simoni
(gebürtig aus Weilburg) 1727.
Die Gemeinde Rohnstadt musste noch bis ins Jahr 1817 zur Unterhaltung
des
Weilmünsterer Schulgebäude und zur dortigen
Lehrerbesoldung ihren Beitrag
leisten.
1751 wurde auf
Anforderung des
Oberkammerrats Waitz von Eschen auf der Erzgrube Mehlbach eine Schule
für die
Kinder der dort tätigen Bergleute eingerichtet, und der
Rohnstädter Lehrer
musste diese „Zweigschule“ mit betreuen. Dabei war
ihm der Inhalt des
Unterrichts vom Oberkammerrat vorgegeben, u.a. sollte der Lehrer jeden
Morgen
Betstunde halten, den Katechismus „tractieren“, aus
der Bibel lesen,
buchstabieren und schreiben lehren.
1818 wurden die
Schulbezirke neu
gegliedert, und Rohnstadt bildete mit der Mehlbach und der
Spitzenmühle einen
Bezirk mit einen Schule in Rohnstadt.
1819 wurde daraufhin
ein Ortsschulvorstand
gewählt, dem der Pfarrer als Schulinspektor, ein Kaplan, der
Schultheiß und
zwei Beisitzer angehörten.
1836 trat eine
große Verbesserung
des hiesigen Schulwesens ein. Nachdem bisher der Unterricht in
wechselnden
Räumlichkeiten abgehalten worden war, konnte am 30.10.1836 das
Neuerbaute
Schulhaus eingeweiht werden. Das Gebäude, das bis zur
Eingemeindung 1970 als
Schule diente, hatte oben den „geräumigen,
lichthellen“ Schulsaal und unten
eine „bequeme“ Lehrerwohnung. Gekostet hatte es die
Summe von 2.968 fl.
Im Sommer 1853 wurde
auf dem
Schulgelände ein Schulökonomiegebäude
errichtet und damit „einem, seit mehreren
Jahren, gefühlten ökonomischen
Schulbedürfnisse“ abgeholfen, wie der damalige
Lehrer in der Schulchronik vermerkt.
Mitten im November
1881 brach die
„Diphteritiskrankheit“ aus, und zwar so stark, dass
die Schule vom 17.12.1881
bis 03.01.1882 geschlossen werden musste. Zwei Schüler
verstarben in dieser
Zeit.
Im Herbst 1900 wurde
ein
Schulbrunnen gegraben und mit einer Pumpe versehen. Die Tiefe des
Brunnens
beträgt 10,50 m.

Im Sommer 1908 wurde auf der Rausche für die Schule ein Spielplatz (heute würde man Sportplatz sagen) angelegt.
Der
erste Weltkrieg
brachte auch
das Schulleben durcheinander. Die Ferien wurden auf Befehl des 18.
Armeekorps
verlängert, damit die Kinder beim Einbringen der Ernte helfen
konnten. Dies
scheint sich bis 1918 fortgesetzt zu haben. Je länger der
Krieg dauerte, desto
intensiver wurden die Kinder zu allen möglichen Sammelaktionen
herangezogen.
Im Dezember 1918
blieb die Schule
geschlossen, da der Schulsaal durch heimkehrende Truppen belegt war.
Erst im
Februar 1919 begann der Unterricht wieder.
Unter dem August 1919
lesen wir in
der Schulchronik, dass die seitherige kirchliche Schulispektion
aufgehoben
wurde.
Ebenfalls 1919 im
Oktober wurden
die Lehrerwohnung und der Schulsaal renoviert und von der
Straße zu Schulhaus
eine neue Treppe gelegt.
1928 mußte
das Schulhaus wiederum
renoviert werden, was die Gemeinde die stolze Summe von 7500 Reichsmark
kostete.
In der Schulchronik
werden auch
viele Ausflugsfahrten beschrieben. Die Sommerfahrt 1931 sei als
Beispiel genannt.
Am 24.08.1931 zogen die Teilnehmer
morgens um 4:30 Uhr per
pedes zu Dorf
hinaus, um bis Bad Homburg zu wandern. Nach Erreichen dieser Stadt und
einem
„kräftigen Kaffee“ sahen sie sich noch
drei Stunden die Stadt an und fuhren um
17:00 Uhr mit der Bahn über Frankfurt nach Heidelberg. Dort
wurde übernachtet
und am zweiten Tag die Stadt besichtigt. Das Essen wurde selbst
zubereitet. Am
Vormittag des 3. Tages wurde der Schlossgarten in Schwetzingen
besichtigt, und
am Nachmittag trat man per Bahn die Heimreise an.
Auch die Zeit des
Nationalsozialismus schlägt sich deutlich in den Eintragungen
der Lehrer in der
Schulchronik nieder. Die Art der politischen Überzeugung
prägt auch die
diversen Eintragungen – vom gläubigen
Wiederkäuen der Propaganda bis zum
Weglassen von allem, was nach Politik aussieht.
Während des
Zweiten Weltkrieges
wurde auch der Rohnstädter Lehrer eingezogen. Von seiner
Vertreterin erfahren
wir in der Schulchronik, dass die Amerikaner am 30.03.1945 Rohnstadt
besetzte
und die Schule vorerst schlossen. Erst zum 01.10.1945 konnten der
Schulbetrieb
wieder aufgenommen werden.
Im Mai 1950 trat der
letzte
Rohnstädter Dorfschullehrer „Siegfried
Frohnert“ seinen Dienst an. Er versah
ihn bis zur Auflösung der Rohnstädter
„Zweigschule“ am 16.07.1070, um dann in
Weilmünster weiter zu
unterrichten.
Es ist die
Vergangenheit
Rohnstadts, die hier geschildert wird, ein Geschehen, das am Rande der
Weltgeschichte verlief.
Für die Bewohner jedoch war es
ihre Geschichte. Es war und ist ihr Leben. Es zeigt, wie sich ein
kleines Dorf
durch die Jahrhunderte behauptet hat und, da seine Bewohner
aufgeschlossen und
fortschrittlich gesinnt sind, wohl auch in Zukunft behaupten wird.